Pressestimmen

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Der Westen (Ruhrgebiet)

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– „Für eine Gruppe wie „Ton Steine Scherben“ wurde der Begriff Kultband erfunden, und deren Sänger Rio Reiser, obwohl vor 14 Jahren verstorben, sogar hat Fans, die gerade mal 20 sind. So der Eindruck bei einem außergewöhnlichen Konzert in der Altstadtschmiede.

Um Lieder, um deutsche Musik geht es in der neuen Schmiede-Reihe „lied.wärts“. Hits wie „Keine Macht für Niemand“, „Junimond“ und „König von Deutschland“ springen ihr Publikum regelrecht an. Die Besucher waren keineswegs nur typische Altstadtschmiede-Besucher, sondern sie kamen aus Witten, Dortmund, Münster und Bochum.

Hinter dem Duo „Scherbe Kontra Bass“ steht eine echte „Scherbe“, wie sich die Mitglieder der Band selbst nennen: Marius del Mestre stieß als Gitarrist 1980 mit gerade mal 19 Jahren zu „Ton Steine Scherben“, die von 1970 bis 1985 Musik für eine ganze Generation machte. Mit Kontrabassist Akki Schulz fand sich Marius del Mestre erst vor einem Jahr zu „Scherbe Kontra Bass“ zusammen.

Nur ein mageres Jahr an Zusammenarbeit merkt man den gnadenlos guten Profis nicht an: Das Duo macht Gänsehaut, bringt zum Lachen und pflegt den Scherben-Mythos, ohne einfach belanglos nachzuträllern oder zu posieren: Beide singen abwechselnd und treffen den rotzigen Rio-Reiser-Ton wunderbar, ohne dabei ihre eigene Persönlichkeit zu verleugnen, und sie spielen virtuos ihre Instrumente. Gerade der Kontrabass gibt den Stücken einen ganz eigenen Reiz. Akki und Marius fallen sich gegenseitig ins Wort, treiben sich bei Soli den Schweiß auf die Stirn.

Das Publikum in der rappelvollen (bestuhlten) Altstadtschmiede ging und sang mit, tanzte, verlangte Zugaben. Sechs Mal wurden Schulz und Marius del Mestre herausgeklatscht und um weitere Songs gebeten. Die handeln allesamt von der Sehnsucht nach persönlicher und politischer Freiheit, rechnen mit profitgeilen Mächtigen ab, sind eine Hommage auf Freundschaft und Familie, verarbeiten Liebe und Verlust. Interessant: Obwohl es Lieder aus fast vier Jahrzehnten sind, scheinen sie keinerlei Staub angesetzt zu haben. Del Mestre erklärte das am Beispiel „Sklaventreiber“. Das ist von 1980 und klingt, als ginge es um Lohndumping und Leiharbeit von heute.“

Die Family und auch das Duo mit Akki scheint del Mestre mit einigen Enttäuschungen versöhnt zu haben. „Wir haben lange ,König von Deutschland’ nicht gespielt, weil Rios Brüder das Lied geschändet haben, als sie es an den Media Markt verkauft haben, doch wir dachten, wir holen es uns eben zurück!“

„Mag der Schauspieler Jan Plewka mit seinen Rio-Reiser-Abenden Konzert- und Theaterhallen füllen, authentischer wirkt das Duo „Scherbe Kontra Bass“.

Kieler Nachrichten

– „Zeiten des Aufruhrs, wieder beschworen. Die Songs der alten Ton Steine Scherben begeistern noch einmal. Kiel – Sie waren die Kultband der linken Jugendszene in den siebziger und frühen achtziger Jahren, die Musiker von Ton Steine Scherben.“

Ihr charismatischer Leadsänger Rio Reiser formulierte für eine ganze Generation mit zum Teil hochpoetischen Texten ihren Zorn und ihren Wut gegen die Herrschenden und die herrschenden Verhältnisse, aber auch ihre Sehnsucht nach Wärme, Nähe und Liebe. SCHERBEkontraBASS heißt das Projekt, mit dem Marius del Mestre, mit der vor einigen Jahren neu gegründeten Band, und der Bassist Akki Schulz zur Zeit auf Tournee sind. Am
Donnerstag gastierte das Duo mit einem Programm, das ganz überwiegend aus Songs der alten Scherben bestand, im recht ordentlich besuchten Kieler Kulturforum vor einem begeisterten Publikum zwischen sechzehn und sechzig.

Die Magie der aufrührerischen Texte Rio Reisers schlägt, so scheint es, auch die in ihren Bann, für den der Name von Deutschlands einst innovativster Rockband nur noch Legende ist. Gerade die Reduktion auf die Instrumente halbakustische Gitarre und Kontrabass machte die Texte der Scherben besonders gut hör- und erlebbar. Marius del Mestres brüchig expressive und voluminös röhrende Stimme beschwor zu seinen peitschenden Gitarrenklängen die aufgeladene Atmosphäre jener Jahre der Hausbesetzungen und des Anti-Atom- Kampfes. Akki Schulz, dem sein je nach Anlass gezupfter, gestrichener oder geklopfter Kontrabass Tanzpartner, Musikinstrument und Pantomimenrequisit zugleich war und der mitunter wie ein
Springteufelchen über die Bühne hüpfte, tat mit seinem varianten- und einfühlsamen Spiel ein Übriges, die Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren.

Der Song Zauberland etwa – „Zauberland ist abgebrannt und brennt noch lichterloh“- drückte die Verzweiflung über den Verlust von Kindheit und naiver Liebe nicht nur einer Generation aus und verzauberte das Publikum, dass es ganz andächtig und still wurde.“